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Informationen JUVEMUS Fachtagung 2022

Mit freundlicher Unterstützung von

TK


Hier finden Sie detailierte Informationen zu den Referenten / Themen der JUVEMUS Fachtagung 2022
sowie am Ende der Seite den aktuellken "Stundenplan" als Download.


 

Prof. Dr. h. c. Hans Biegert Schuldirektor i.R. , Dozent und Hochschullehrer

Optimalen Rahmenbedingungen in der Schule für Kinder mit ADHS
 
biegert

 


Die Situation:

„Kevin (?)“: Kommt zu spät in den Unterricht, boxt auf dem Weg zu seinem Platz die Sabrina und reißt seinen
Nebenmann Konstantin das Heft weg, ruft laut: „Mist Mathe“. Wird von der Lehrerin ermahnt, hört nicht zu,
vergisst ständig etwas, bricht Arbeitsaufträge ab, zeigt keinerlei Ausdauer und ist durch geringste Kleinigkeiten abgelenkt. Er ist schnell frustriert, reißt dann sein Blatt aus dem Heft und wirft es durch die Klasse. Hält sich nicht an Regeln und erzeugt ständig Unruhe. Dies alles – trotz immer wieder guten Zuredens / Ermahnens. Lehrer erfahren sich als hilflos und unvorbereitet im Umgang mit derart massiven Verhaltensstörungen. „Die Not ist riesengroß!“ so die ZEIT (9.2010) zur aktuellen Situation der Lehrer vor deutschen Schulklassen.

Im Zentrum des Vortrages stehen Themen wie:

  • Wirksamer Umgang mit Unterrichtsstörungen
  • Inklusion: Gemeinsamer Unterricht mit verhaltensexpansiven Schülern als zentrale Herausforderung
  • Schüler mit sozial-emotionalen Entwicklungsstörungen professionell integrieren
  • Classroom-Management – wirksames Gestalten von schwierigen Unterrichtssituationen
  • Auf den Lehrer kommt es an: Lehrerpersönlichkeit und Unterrichtsqualität bei heterogenen Gruppen.
  • Mit ADHS & Co. im Klassenzimmer
  • Lern- und Leistungswiderständen im Klassenverband souverän begegnen
  •  Herausausforderndes Verhalten bei Schülerinnen und Schülern verstehen und verändern

Ziel ist es daher, „betroffene“ Lehrer, Erzieher, Eltern, Schulbedienstete

  • über den Sachstand von Problemverhaltensweisen und über Unterrichtsstörungen fundiert aufzuklären.
  • Wege einer evidenzbasierten, fachkompetenten Entlastung darzulegen.
  • konkrete und wirksame Hilfen für die schulpädagogische / -psychologische Beratung, im Umgang mit verhal-tensexpansiven Kindern aufzuzeigen.
  • alltagstaugliche Maßnahmen und pragmatische Interventionsstrategien vorzustellen, die einen gemein-samen Unterricht mit Problemverhaltensbetroffenen in integrativen Gruppen ermöglichen.
  • den Blick jenseits aller Regelüberschreitungen und Unterrichtsstörungen auf die Ressourcen dieser Kin-der und Jugendlichen zu lenken und die sich daraus ergebenden Chancen im Umgang mit ihnen wahrzu-nehmen.

Erzieher, Lehrer und Eltern (in Schule und Elternhaus) suchen nach ganz konkreten „hand- festen“, in der päda-gogischen Praxis umsetzbaren Handlungsbausteinen, die sie im Umgang mit Unterrichtsstörungen und sozial-emotionalem Problemverhalten entlasten, etwa:

  • welche Bedeutung haben Klassenregeln?
  • was kennzeichnet wirksame Anweisungen?
  • Konsequent sein, aber wie?
  • was tun, damit Störungen und Störverhalten nicht ausufern?
  • wie soll ich mit Regelverstößen und Distanzlosigkeit umgehen?
  • was sind Kennzeichen wirksamen Lehrerverhaltens?
  • wie bekomme ich Ruhe und Aufmerksamkeit in den Unterricht?
  • welche Bedeutung hat das Klassensozialklima und die Unterrichtsatmosphäre für störungsfreien Unterricht?
  • „Lehrer-Schüler-Beziehung“, welche Wirkung hat sie auf das Schülerverhalten?
  • u.v.m.

 

 

Prof. Dr. med. Edgar Friederichs

Workshop im Rahmen der Juvemus Fachtagung am 25.06.2022
"Moderne Gehirnforschung bietet neue Perspektiven zu Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen"

 
Prof. Friedrichs

 

Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsprozesse finden ausschließlich im Gehirn statt. Grundlage hierfür sind die Aufnahme von Signalen aus der Umwelt und die entsprechende Verarbeitung dieser Signale im Gehirn. Alle Wahrnehmungsprozeese unserer 6 Sinnessysteme laufen nach dem gleichen Schema ab. Bei zum Beispiel der Seh- und Hörwahrnehmung nehmen die Augen Lichtwellen auf und die Ohren Schallwellen welche jeweils bestimmte Signale (Informationen) enthalten. Diese eingehenden Signale werden erst im Gehirn in einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher neuronaler Netzwerke verarbeitet. Erst durch die Verarbeitung dieser Informationen entstehen die Bilder die wir wahrnehmen (sehen) und die Höreindrücke (zum Beispiel Sprache die wir verstehen und der wir einen Sinn zuordnen können). Gibt es an einer oder mehreren Stellen im Gehirn eine eingeschränkte Zusammenarbeit der Nervenzellnetzwerke untereinander, kann es zu Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen kommen. Die Aufmerksamkeitsstörung ist dann meist eine sekundäre Störung, die auf der Grundlage einer fehlerhaften Verarbeitung und damit eingeschränkten oder ,,falschen" Wahrnehmung beruht. In der Folge kann es zu Lese- und Rechtschreibstörungen, Rechenstörungen, motorischen Störungen, unterschiedlicher Formen von Aufmerksamkeitsstörungen, grob- und feinmotorischen Störungen bis hin zu sozial/emotionalen Störungen kommen. Glaubte man früher der Befund eines Augenarztes oder eines Hals-Nasen und Ohrenarztes wären ausreichend, um beurteilen zu können, ob ein Kind richtig sieht oder hört, so weiß man nun schon länger, dass erst eine gezielte Analyse bestimmter Verarbeitungsprozesse im Gehirn Aufschluss über die Seh- und Hörfähigkeiten geben kann. Denn auch wenn die Augen und Ohren in Ordnung sind, kann es Seh- und Hörbeeinträchtigungen in teilweise großem Ausmaße geben, die durch den Augenarzt oder den Hals-Nasen und Ohrenarzt nicht festzustellen sind.

Messungen, die Einblicke in das Gehirn geben, können zahlreiche Problemzusammenhänge in der kindlichen Entwicklung aufdecken, die z.B. durch eingeschränkte visuelle und/oder auditive Verarbeitungsstörungen sowie eingeschränkte Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfähigkeiten hervorgerufen werden.

Der Vortrag vermittelt Erkenntnisse und ihre Zusammenhänge zu Seh-, Hörverarbeitungs- und Wahrnehmungsprozessen für die kindliche Entwicklung. Dabei werden besonders moderne Erkenntnisse aus der Gehirnforschung einbezogen. Es wird dargestellt wie differenzierte Diagnosen auch im Bereich der Aufmerksamkeitsstörungen möglich sind, die weit über die bislang noch oft üblichen Fragebogensysteme hinausgehen. Wie neue, gezielte therapeutische Ansätze erfolgreich umgesetzt werden können, wird ebenfalls dargestellt.

Der praxisorientierte Workshop von Frau Dipl.- Sozialwirtin Petra Friederichs (14.00 -15.30 Uhr) baut auf dem Vortrag auf und vermittelt, welche Auswirkungen Störungen in der Seh- und Hörverarbeitung auf die kindliche und schulische Entwicklung haben können.

Literatur: Petra und Edgar Friederichs: Es muss nicht immer ADHS sein - Lern und Verhaltensstörungen frühzeitig erkennen erfolgreich behandeln. Klett-Cotta 2021
 

 

Birgit Ruf  Heilpädagogin

Einblicke und helfende Impulse in der Frühförderung bei Kindern mit Verdacht auf AD(H)S
 
Ruf

 

Langeweile kommt selten auf, wenn diese beiden Varianten dabei sind. Diese Kinder können Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen zur Verzweiflung bringen.

Aber: Nicht jedes Kind im Kindergarten und in der 1.Klasse, das unkonzentriert, lebhaft, verträumt oder laut ist, leidet an AD(H)S.

Der Übergänge von "schwierigem Verhalten" zu AD(H)S sind fließend. In diesem Vortrag möchte Birgit Ruf unterschiedliche Erscheinungsbilder, Diagnosekriterien und Symptome im Kindergartenalter vorstellen. Ebenso werden geeignete Interventionsmöglichkeiten zur ganzheitlichen Förderung von Kindern im Kindergartenalter vorgestellt, z.B. praxisorientierte pädagogische Mittel und Fördermöglichkeiten, sowie Tipps zur Beratung der Eltern.

Der Vortrag richtet sich an pädagogische Fachkräfte in Kitas, Grundschullehrer/innen und Eltern.
 

 

Laura Ollig (B.Sc.) Bernhardshof Mayen

Depressionen und Angststörungen bei Kindern
 

Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie treten häufig als komorbide Störungen auf, so beispielsweise mit ADHS. Oft wird die Symptomatik in diesem Lebensabschnitt zu spät oder gar nicht erkannt, da diese anders als bei Erwachsenen verläuft. 

Dabei ist eine frühzeitige Diagnose wichtig, um schlimmere Verläufe zu verhindern.

Aber wie erkennt man eine Depression bei Kindern und Jugendlichen? Wie wird sie diagnostiziert und welche Behandlungsmethoden gibt es?
Im Vortrag wird auf den Umgang mit depressiven Kindern und Jugendlichen, auf die Diagnostik von Depressionen und die Behandlungsmöglichkeiten eingegangen.


 

Tania Dohr (M.A.)


Fehler im Diktat – nur Frustration für Schüler?
Workshop für Lehrer

 
"Erwachsen werden mit AD(H)S"
Workshop vor allem für junge Erwachsene

 

Oder Wegweiser zur Gestaltung des Rechtschreibunterrichts?

Deutschunterricht und Diktate sind untrennbar miteinander verbunden. Für Schüler mit guter Rechtschreibung sind sie eine Bestätigung ihres Könnens, für rechtschreibschwache Schüler Grund zur Frustration und oft mit Angst verbunden.

Aber wie werden die Fehler für den Deutschunterricht genutzt? Wie kann eine schnelle und übersichtliche Fehlerauswertung als diagnostische Grundlage für die Unterrichtsgestaltung erstellt werden? Diesen Fragen wollen wir gemeinsam nachgehen.


Erwachsen werden mit AD(H)S
Workshop, vor allem für junge Erwachsene
Fragen stellen und diskutieren


 

 

Angelika Funk Crazy Music School

Banana – Man der Ernährungsheld und seine Freunde
 
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Ohje, da wo „Banana - Man“ mit seinen Freunden auftaucht gibt es viel Arbeit.
Hat doch heute in der Kita wieder eine Vielzahl von Kindern nur ungesundes in der Brotdose dabei gehabt. „Ja, achtet denn da Mama und Papa nicht mehr darauf, dass Junior gut mit Nährstoffen den anstrengenden Kita-Alltag übersteht“?

Da steht doch das große Sport-Event an. Wie soll das denn mit einer Milchschnitte und der trocknen Brezel zu schaffen sein.
Und in der Schule werden diese Woche doch drei Klassenarbeiten geschrieben. Wie soll das denn zu schaffen sein mit einem Energy Drink und dem Schokoriegel. Power und Energie gibt das mal nicht. Das kann ja nur schief gehen. „Puuuh“!

Auch ist in einigen Kitas eine Erkältungswelle im Anmarsch. Mit Gummibärchen, dem Weißtoast mit Nutella und der Limo ist die mal nicht zu stoppen.
Ja….“Banana - Man“ hat alle Hände voll zu tun. Zum Glück hat er noch seine vielen Freunde die ihm dabei tatkräftig unterstützen den Kindern zu erklären was sie an wichtigen Nährstoffen benötigen um jeden Tag gut versorgt zu sein.

„Banana -Man“ ist ein Ernährungsprojekt für Kinder, dass den Kids mit vielen Bildern auf kindgerechte Art und Weise veranschaulichen soll was der Körper benötigt und warum? Welche Nährstoffe wichtig sind, damit der kindliche Körper jeden Tag gut versorgt ist und auch ein Virus gut zu verkraften ist.

Zudem werden die Kinder eine Vielzahl von Bewegungs- und Musikangeboten erfahren damit sie sehen wie viel Spaß lernen in Verbindung mit Musik und Bewegung machen kann.
Von Bewegungsliedern über Kinder-Yoga bis zu einer Klangreise ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Am Ende des Tages können die Kinder ihr erlerntes auf einer Bild-Collage festhalten, dass abends den Eltern in einer Ausstellung zur Verfügung gestellt wird.

„Kinder sind unser wertvollstes Gut und es liegt in unserer Verantwortung Ihnen den bestmöglichen Start


 

Eckhard Barth – BAG TL

Studie zur Akzeptanz von ADHS in der Gesellschaft
 
Barth

 

Zur Studie:

Die BAG-TL/WS e.V.  hat das SINUS-Institut beauftragt, eine repräsentative Studie zu den Einstellungen und Wahrnehmungen von Eltern ab 30 Jahren in Bezug auf ADHS durchzuführen. Die SINUS-Studie hilft zu verstehen, was Eltern verschiedener Milieus über ADHS wissen, welche Erfahrungen sie mit ADHS haben und welche Vorurteile sie möglicherweise gegenüber ADHS-Betroffenen reproduzieren.
Im Einzelnen deckt die Studie folgende Themen ab:
ADHS: Bekanntheit, Interesse, Informationsstand, Betroffenheit
Medizinisch-psychologische Einordnung und vermutete Ursachen von ADHS
Einstellungen zum Thema ADHS
Informationsverhalten beim Thema ADHS
Bekanntheit von Aufklärungs- und Hilfsangeboten
Bedarfe im Kontext ADHS

Kontakt SINUS-Institut
Tim Gensheimer, Pressearbeit, tim.gensheimer@sinus-institut.de
Telefon: 06221 / 80 89 - 60
Adenauerplatz 1, 69115 Heidelberg | Heimstraße 18, 10965 Berlin | www.sinus-institut.de

Über das SINUS-Institut
Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH mit Standorten in Heidelberg und Berlin, ist seit über 40 Jahren Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Das Institut entwickelt Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen.
Ein zentrales Tool dafür sind die Sinus-Milieus - ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammenfasst. Die Sinus-Milieus zählen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Segmentationsansätzen und sind mittlerweile für über 40 Länder verfügbar.
SINUS kooperiert eng mit den Schwesterunternehmen INTEGRAL Markt- und Meinungsforschung in Wien, Österreich, und OPINION Market Research & Consulting, Nürnberg (INTEGRAL-SINUS-OPINION Gruppe).
Weitere Informationen über das SINUS-Institut unter www.sinus-institut.de.

Kontakt BAG-TL/WS e.V.
Eckhard Barth, Vorstand, ebarth@bag-tl.de
Telefon: 02234 / 89 49 0
Kaiser-Otto-Straße 58a, 50259 Pulheim | www.bag-tl.de

Über die BAG-TL/WS e.V.
Die BAG-TL/WS e.V. wurde 1991 von betroffenen Eltern gegründet, um entwicklungsauffällige Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS, Teilleistungs-/Wahrnehmungsstörungen zu unterstützen. Der Verein finanziert sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge, Zuwendungen der Gesetzlichen Krankenkassen sowie durch Spenden und Bußgelder.  Die primäre Aufgabe des Vereins ist eine hilfreiche Informationspolitik. Die BAG-TL/WS e.V. ist im World Wide Web präsent, pflegt eine Datenbank (www.adhs-info-zentrum.de), vermittelt Kontaktadressen und bietet Orientierungshilfen.
Weitere Informationen über die BAG-TL/WS e.V. unter www.bag-tl.de.


 

Dipl.-Sozialwirtin Petra Friederichs (Einzel-, Paar- und Familientherapeutin, Coach, DGSF)

Es muss nicht immer ADHS sein.
Neue Behandlungskonzepte von Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen auf der Grundlage der modernen Gehirnforschung

 
PF


Aus der modernen Gehirnforschung wissen wir heute, dass sich die meisten Auffälligkeiten in der Kindesentwicklung nicht einfach „verwachsen", die Symptome ändern sich aber die Probleme bleiben.

Das gilt für eine ADHS-Störung ebenso wie für Wahrnehmungsstörungen in der Seh- und Hörverarbeitung. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat die Gehirnforschung enorm viele Erkenntnisse und damit neues Wissen hervorgebracht. Hinzu kommen riesige Fortschritte in der Medizintechnik, die Einblicke ins Gehirn und Messungen erlauben und damit viele zusammenhänge aufdecken, die lange unbekannt waren.

Leider kommt dieses Wissen nur sehr langsam dort an, wo mit Kindern im Alltag gearbeitet wird, wie in den Kitas, Schulen, Erziehungsberatungsstellen, bei Ärzten, Therapeuten und den Familien selbst.
Aufbauend auf den Vortrag von Prof. Dr. Edgar Friederichs (11.30 - 13.00 Uhr), vermittelt dieser Workshop mehr praxisorientierte Informationen. Es wird zusammenfassend dargestellt, welche Auswirkungen Störungen in der Seh- und Hörverarbeitung und den entsprechenden Wahrnehmungsprozessen für die kindliche Entwicklung haben können. Und es geht darum, was eine moderne, differenzierende Diagnostik leistet und welche gezielten therapeutischen Maßnahmen Erfolg versprechend sind.

Themen wie Lese- und Rechtschreibstörungen, Rechenstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Sozial-/ emotionale Störungen werden in diesem Zusammenhang beleuchtet. Dabei wird auch auf Unterstützungsmöglichkeiten in der Kita, Schule und Elternhaus eingegangen.

Literatur: Petra und Edgar Friederichs: Es muss nicht immer ADHS sein - Lern und Verhaltensstörungen frühzeitig erkennen erfolgreich behandeln, Klett-Cotta 2021


 

Michael Ziese

Nachteilsausgleich ist keine Förderung - und welche (finanziellen) Fördermöglichkeiten es darüber hinaus gibt
 
Ziese

 

Nachteilsausgleich für Betroffene mit Teilleistungsschwächen haben in der Schule oft einen schweren Stand. Ihr Handicap über den sog. Nachteilsausgleich zu relativieren, ist ein umstrittenes und oft nur mit Halbwissen versehenes Unterfangen - nicht nur im Verständnis der Wirkung, sondern auch hinsichtlich möglicher Maßnahmen bzw. auch, wie er in der Praxis gewährt und ggf. aufrechterhalten
wird.

Ein Nachteilsausgleich ist nur flankierender Teil einer multimodalen integrativen Lerntherapie, die überwiegend mit privaten Mitteln finanziert werden muss - für Familien mit geringem Einkommen eine kaum zu überwindende Hürde. Nur wenige staatliche Fördermöglichkeiten wie die Ein-gliederungshilfe nach § 35a KJHG bzw. nach dem Bildungs- und Teilhabepaket existieren, über die noch zu wenig bekannt ist bzw. bei denen im Antragsverfahren Missverständnisse bzw. Fehlinforma-tionen immer wieder dazu führen, dass trotz Anspruch die Förderung nicht zustande kommt.

In dem Workshop, der sich an Betroffene, deren Sorgeberechtigte wie an Lehrkräfte, Ärzte/Thera-peuten und Behördenvertreter richtet, wird über beide Themenfelder und aus der Beratungspraxis des Referenten/Vereins über Bedingungen für ein gelingendes Bewilligungsverfahren informiert. Raum zum Erfahrungsaustausch besteht.
 

 

Priv.-Doz. Dr. med. habil. Andreas Konrad
Chefarzt Landeskrankenhaus Rhein Mosel Fachklinik Andernach

„Neurobiologie und Genetik der ADHS – Befunde aus der Hirnforschung und deren Bedeutung“
 

konrad

Die klinischen Leitsymptome des ADHS umfassen Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität und Impulsivität. Die neurobiologischen Korrelate sowie die möglichen Ursachen dieser Symptome sind in den letzten Jahren eingehend wissenschaftlich untersucht worden. Hierbei spielten neue Untersuchungstechniken im Bereich der Bildgebung und der Genetik eine besondere Rolle. Dabei wurden etwa Gehirnstrukturen, die Aktivierung von Hirnregionen oder die Dichte und Verteilung von Rezeptoren im Gehirn untersucht.

ADHS ist zu einem wesentlichen Teil genetisch bedingt und es konnte die Korrelation von einzelnen Genvarianten mit neurobiologischen Befunden gezeigt werden. Zudem haben auch Umweltfaktoren einen Einfluss auf die veränderte Hirnfunktion, es kommt zu komplexen Gen-Umwelt-Interaktionen. Viele Befunde weisen in Richtung des basalen Frontalhirns, welches besonders in Kontrolle und Exekutivfunktionen involviert ist, aber auch für das Arbeitsgedächtnis wichtig ist. Befunde auf Rezeptorebene weisen auf eine besondere Rolle des Dopamins und Noradrenalins bei ADHS hin. Diese Botenstoffe spielen in den Aufmerksamkeitsnetzwerken eine besondere Rolle und sind auch Ansatzpunkte vieler medikamentöser Behandlungsstrategien bei ADHS. Letztlich sind aber nicht nur umschriebene Veränderungen im Gehirn als Ursache der ADHS anzusehen, sondern vor allem eine veränderte „Konnektivität“ zwischen den Hirnregionen. Hinweise hierfür ergeben sich aus Bildgebungsstudien mit Magnetresonanztomografie, die besonders die Nervenfaserbündel und die sogenannte funktionelle Konnektivität untersuchten.

 

Dr. med. Matthias Rudolph

„Frauen und ADHS“
Zwischen Träumerliese und Chaosprinzessin

 
Rudolph

 

ADHS wird im Volksmund aber auch bei Fachleuten oft mit dem sogenannten „Zappelphillip-Syndrom“ gleichgesetzt. Die berühmte Figur von Heinrich Hoffmann war ein Junge und daher gehen viele davon aus, dass es ADHS überwiegend bei Jungs und Männern gibt. „ADHS bei Frauen“ wird leider häufig übersehen. Ich möchte mit meinem Vortrag dafür sensibilisieren, dass dieser Aspekt von ADHS besser wahrgenommen wird.  

In dem ADHS-Blogg: „Reiß dich zusammen, du Scheißgehirn“ findet sich ein eindrucksvoller und aufschlussreicher Beitrag von Kathrin Weßling (vrgl. Zeit online 02.08.2018), darin heißt es:
„Ich kämpfte jahrelang mit Depressionen, Erschöpfungszuständen und Panikattacken. Und mit zig Diagnosen, deren Behandlung – oft auch mit Psychopharmaka – nie anschlug. Mein Problem war nicht Borderline, keine posttraumatische Belastungsstörung, kein Burn-out. Mein Problem war, dass ich eine Frau mit ADHS bin. Und das ist eine ziemlich schlechte Voraussetzung.“
Auf der Homepage der der Deutschen Gesellschaft für Genderspezifische Medizin (DGesGM) finden sich folgende Zeilen:
„Nicht nur beim Herzinfarkt, sondern auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen zeigen Frauen und Männer unterschiedliche Symptome und reagieren anders auf pharmakologische und invasive Therapien.
Frauen und Männer weisen vielfach unterschiedliche Risikofaktoren für Krankheitsentstehung, Krankheitsverlauf und Behandlungsrisiken auf. Häufig nehmen sie Präventionsangebote unterschiedlich wahr.“
Das Risiko bei der Beschäftigung mit genderspezifischer Medizin ist es, in Rollenstereotypen zu verfallen. Natürlich ist mir bewusst, dass es weder „den Mann“ noch „die Frau“ gibt. In der täglichen Praxis wird aber auch deutlich, dass es in unserer Kultur durchaus noch bestimmte Rollen / -erwartungen gibt und sowohl Jungen als auch Mädchen in einem Milieu heranwachsen, das sich nicht ganz von bestimmten Rollenbildern frei machen kann. Wenn ich also einen Vortrag zum Thema  „ADHS bei Frauen“ halte, bin ich mir dieser Stereotypen wohl bewusst und wage den Schritt weil beide Geschlechter profitieren…


·    wenn ihre Unterschiede wahrgenommen werden,
·    wenn sie adäquat angesprochen werden,
·    wenn Präventionsangebote und Therapiemaßnahmen auf sie abgestimmt werden.

 

Dr. med. Matthias Rudolph

„ADHS im Alter“

 
Rudolph

 

Noch während meines Medizinstudiums und auch im Rahmen meiner Facharztausbildung wurde mir vermittelt, dass ADHS eine Störung des Kindes- und Jugendalters sei. Erst später konnte nachgewiesen werden, dass ein Großteil der Symptome bei mindestens der Hälfte der Betroffenen - in Teil- oder Vollausprägung - in das Erwachsenenalter hinein bestehen bleiben, wenn auch teilweise in abgewandelter Form. Im Vergleich dazu ist die Datenlage hinsichtlich der ADHS bei Senioren (auch: ADHS im Senium, ADHS im höheren Alter) noch recht übersichtlich. Weitere Untersuchungen zur Erforschung der ADHS im höheren Lebensalter werden aktuell europaweit durchgeführt, um ein genaueres Bild über die gesundheitlichen Auswirkungen, den individuellen Leidensdruck sowie über die Lebensbewältigung älterer Menschen mit ADHS zu erhalten.

Hier sei auf den entsprechenden Artikel auf ADHS-Pedia verwiesen. Nach einem kurzen Impulsvortrag möchte ich mit den Teilnehmer:innen gemeinsam über das Thema diskutieren, vielleicht findet sich ja auch ein Erfahrungsbericht. Ich kann mich noch gut an eine meiner ersten ADHS Patientinnen erinnern. Sie hatte mich in einem TV-Beitrag zum Thema ADHS gesehen und sich verschämt in meiner Ambulanz vorgestellt. Sie sei 72 und sie frage sich, nachdem ich die Symptome im Fernsehen erläutert hatte, ob sie ADHS haben könne. Von ihr werde ich im Workshop berichten.

 

Dr. med. Kerstin Hessenmöller

Erklärung zum Thema Medikation für Eltern und Angehörige“
 
Hessemoeller

 

Die Therapie des ADHS erfolgt bei Kindern und Jugendlichen entsprechend den aktuellen Leitlinien multimodal mit den Elementen Elterntraining, Psychoedukation, psychosoziale Interventionen, Verhaltenstherapie und Pharmakotherapie. Während im Erwachsenenalter die Pharmakotherapie bereits bei leichter Ausprägung des ADHS empfohlen wird, ist die medikamentöse Behandlung bei Kindern und Jugendlichen nur bei entsprechend ausgeprägtem Schweregrad der Symptomatik indiziert. Die medikamentöse Behandlung ist im Regelfall sehr wirksam und hat hohe Effektstärken. Gleichzeitig wird kaum eine andere Erkrankung und ihre medikamentöse Behandlung in der Öffentlichkeit so kontrovers diskutiert wie ADHS.

Wir alle kennen Äußerungen wie:
… das ADHS ist eine Erfindung der Pharmaindustrie,
… ADHS kann nicht sicher diagnostiziert werden,
… Medikamente bringen bei ADHS nichts,
… ADHS ist ein Erziehungsproblem und wird durch äußere Faktoren ausgelöst,
… ADHS wächst sich aus.

In meinem Vortrag werde ich Ihnen die einzelnen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen und gerne mit Ihnen gemeinsam anhand von Fallbeispielen über die Indikationen, die Vorgehensweisen, die individuelle Einstellung und Überprüfung der Medikation diskutieren.

Zentrale Fragen sind:
Was soll die Medikation leisten? und Wie steht es um Akzeptanz und Adhärenz?. Im Bereich der Pharmakotherapie haben sich in den letzten Jahren viele Möglichkeiten aufgetan. Somit kann die Medikation sehr individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Es bestehen mehrere Möglichkeiten der Langzeitbehandlung in Form von verschiedenen Retard-Präparaten und über den Bereich der Stimulanzien hinaus auch die Möglichkeiten der Therapie mit Guanfacin und Atomoxetin. Voraussetzung für eine medikamentöse Behandlung ist vor allem eine verlässliche Diagnostik der ADHS, sowie eine klare Indikationsstellung und Risiko – Nutzen – Abwägung. Ich werde die Planung und Vorbereitung der pharmakologischen Behandlung der ADHS darstellen, und darauf eingehen, welche Voraussetzungen für eine Pharmakotherapie vorhanden sein müssen, welche Patienten behandelt werden und mit welcher Substanz und mit welchen Herausforderungen wir dabei im Verlauf konfrontiert werden. Die medikamentöse Behandlung bei vorhandenen Begleiterkrankungen, vor allem bei Patienten mit bereits vorhandenen chronischen Verläufen, die zusätzlich an einer Störung des Sozialverhaltens, Depressionen oder Angststörungen leiden, ist eine besondere Herausforderung. Es gibt auch Patienten zum Beispiel mit einer Epilepsie die ebenfalls an einem ADHS erkrankt sind und denen die medikamentöse Therapie nicht vorenthalten werden sollte. Ich freue mich auf einen interaktiven Vortrag und Austausch mit Ihnen.
 

 

Dr. med. Kerstin Hessenmöller

 

Endlich 18 ! Hilfe!! –Erwachsen werden mit AD(H)S–
 
Hessemoeller

 

Früher definierte man die ADHS als eine spezifische Erkrankung, die auf das Kindes- und Jugendalter begrenzt ist. Doch seit mehr als einem Jahrzehnt konnte durch
epidemiologische Studien geklärt werden, dass bei mehr als der Hälfte der Betroffenen die ADHS auch im Erwachsenenalter fortbesteht. Heute hat sich die ADHS als psychische
Erkrankung über die Lebensspanne etabliert. Es liegen gut überprüfte diagnostische Erhebungsverfahren für die unterschiedlichen Altersbereiche vor, in denen eine ADHS teilweise in unterschiedlicher Symptomkonstellation auftritt. Gleichzeitig haben sich pharmakologische und psychotherapeutische Ansätze zunehmend differenziert.

Untersuchungen zeigten (Chen et al 2018), dass Männer und Frauen mit ADHS eine 9 x höhere Prävalenz für Angst, Depression, bipolare Störungen und Substanzmissbrauch entwickelten. Trotzdem ist die Versorgung der Jugendlichen ab dem 18-ten Lebensjahr weiterhin prekär. Den Hausärzten/ Allgemeinmedizinern kommt eine hohe Bedeutung in der weiteren Versorgung zu, weil im erwachsenenpsychiatrischen Bereich immer noch ein lückenhaftes Wissen um die adulte ADHS besteht. Das Krankheitsbild wird teilweise ganz abgelehnt und Betäubungsmittelrezepte werden mit unterschiedlichen Begründung nicht ausgestellt. Unsere Jugendlichen fallen somit aus dem Versorgungssystem raus.

Gleichzeitig setzen die Adoleszenten oft ihre Medikation ab:
… Um mehr Kontrolle über ihr eigenes Leben zu haben,
… sich selbst ohne Medikation zu erleben,
… sich selbst zu spüren und ihre Identität zu finden,
… weil sie nicht anders als die anderen sein wollen.

Weitere Risikofaktoren für einen Behandlungsabbruch von Patient*innen im Erwachsenenalter mit persistierender ADHS können darin liegen, dass die Eltern in der Gesundheits(für)sorge der Kinder eine weniger wichtige Stellung einnehmen, Patient*innen in der Lebensphase eher auf einen freizeit- als einen gesundheitsorientierten Lebensstil fokussieren, der subjektive Leidensdruck durch die Störung abnimmt, die Medikation als einschränkend erlebt wird oder sich der Krankheitsverlauf tatsächlich spontan bessert. Häufig nehmen adoleszente Patient*innen Leistungen des Versorgungssystems erst dann wieder in Anspruch, wenn sich die Symptomatik durch steigende Anforderungen verstärkt auf ihr Leben auswirkt (z. B. bei Beginn der Berufstätigkeit oder Studium) und Kompensations- und Selbstmanagementstrategien nicht mehr greifen oder eine komorbide Störung behandlungsrelevant wird.

Untersuchungen von Bachmann CJ er al. (2014) zeigten das Behandlingslücken schon in der mittleren Adoleszenz (14-15 Jahren) entstehen. In meinem Vortrag möchte ich Sie als betroffene Jugendliche und Eltern, die ihre Kinder in das Erwachsenenalter begleiten, mitnehmen und über Ressourcen aber auch Risiken sprechen. Dazu werde ich ich aus der eigenen Praxis anhand von Fallbeispielen unterschiedliche Verläufe darstellen. Ich werde somit neben Risiken und Komplikationen auch auf positive Prädiktoren für eine gelungene Transition, z.B. Beibehalten und Akzeptanz eines unterstützenden elterlichen Erziehungsverhaltens, Selbstwert, soziale Kompetenz, Psychoedukation mit Inhalten zur Self-Awareness, gezielten Aufbau von Netzwerken, eingehen. Die Adoleszenz ist ein spannender, intensiver aber auch anstrengende Lebensabschnitt auf der Reise vom Kind zum Erwachsenen. Sie ist verbunden mit einer enormen Gehirnentwicklung, die auch gleichzeitig Risiken in sich birgt. Adoleszenz ist die so genannte „psychosoziale Pubertät“, in der wesentliche mentale und soziale Entwicklungsschritte erfolgen.

Während der Begriff der Pubertät die biologischen Prozesse in der Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter kennzeichnet. Ich werde sie in meinem Vortrag somit auch kurz in die Welt der Neuroanatomie und Hirnentwicklung entführen.Ich hoffe und wünsche uns einen regen Austausch und interaktiven Vortrag.


 

Heike Hahn

ADHS und Geschwisterkinder
Alles dreht sich um den Wirbelwind- Damit es jedem in der Familie gut geht

 
hahn

 

Vortrag:
ADHS und Geschwisterkinder

- Alle Energie und Aufmerksamkeit fürs ADHS-Kind: Geschwisterkinder laufen mit
- Wie sich Geschwisterkinder fühlen
- Die eigenen Bedürfnisse als Mutter/Vater erkennen und befrieden
- Geschwisterkinder stärken
- Kinder beim Streitenlernen begleiten
- Geschwisterrivalität
- Wenn nicht nur ein Kind in der Familie ADHS hat
- Konkrete Anregungen für ein harmonisches Familienleben auch mit ADHS

Workshop:
Alles dreht sich um den Wirbelwind ADHS und Geschwisterkinder. Damit es jedem in der Familie gut geht.

- Was soll anders werden? Die eigene Ziele klären
- Sind die Bedürfnisse jedes Familienmitglieds erfüllt?
- „Ich bin auch da!“ Geschwisterkinder stärken
- Konflikte clever lösen
- Freizeitgestaltung
- Konkrete Schritte zu einem harmonischen Miteinander erarbeiten